Jazz von jungen deutschen Musikern, schreibt Volker Schmidt, sei originell und selbstbewusst und würde dennoch von den Medien und einem breiteren Publikum kaum wahrgenommen (
Zeit Online). Er zitiert den norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft, der sagt, er schäme sich, dass die Deutschen den skandinavischen Jazz so lieben würden, deutscher Jazz in Norwegen dagegen kaum gehört werde. Der Produzent Siegfried Loch erklärt diese Tatsache etwa durch die Unterschiede in der Kulturförderung, und der Saxophonist Felix Falk ergänzt, mittlerweile würden selbst die osteuropäischen Staaten würden ihre nationalen Bands mit Reisespesen unterstützen. Deutsche Veranstalter müssten für solche Konzerte fast nur noch für die Gage aufkommen, so dass es für sie oft günstiger käme, eine Band aus dem Ausland als eine deutsche Band zu verpflichten. Jazz sei Livemusik, erklärt Falk, und sie brauche die Spielstätten. Deutsche Jazzfans aber seien weniger als im Pop oder in der Klassik dazu bereit, adäquate Eintrittsgelder zu bezahlen. Schließlich beklagt Loch sich noch darüber, dass Festivals in Deutschland kaum deutsche Künstler im Programm hätten. --- Volker Schmidt verweist in seinem Artikel gewiss auf wichtige Tendenzen, und dennoch können wir hier einen unserer seltenen kritischen Kommentare nicht zurückhalten. Schmidt, scheint es, hat sich bei seiner Recherche nicht viel Mühe gemacht, die Fakten zu überprüfen. Die meisten Festivals, die wir kennen, beispielsweise, und auch die, die er in seinem Text dezidiert nennt, haben durchaus einen nennenswerten Prozentsatz deutscher Künstler im Programm. (Der Prozentsatz des Etats, der für deutsche oder für amerikanische Künstler bezahlt wird, ist allerdings schon wieder eine andere Sache. Aber das war nicht sein Argument.) Und natürlich gibt es auch in Deutschland Unterstützung für Auslandstourneen, etwa durch das Goethe-Institut oder durch die Initiative Musik. Vielleicht ist all das nicht genug, aber die Dinge laufen zumindest in die richtige Richtung. --- Der Artikel hat in der deutschen Jazzgemeinse für ein wenig Wirbel gesorgt, wie die Kommentare auf der Website zeigen, von denen einige Schmidts Argumentation unterstützen, während andere Fehleinschätzungen oder gar Falschdarstellungen bemängeln, was die Redaktion letzten Endes dazu brachte, wenigstens eine Behauptung, die von einem der Interviewten gemacht wurde, nachträglich zu korrigieren.
Jazz played by young German musicians, claims Volker Schmidt, is original and self-confident and yet both the media and the large audience don't take notice (Zeit Online). He quotes the Norwegian pianist Bugge Wesseltoft who says that he's ashamed to know how much Scandinavian jazz is loved in Germany and how little German jazz is heard by Norwegians. The producer Siegfried Loch explains the discrepancies by pointing to differences in cultural subsidies, and saxophonist Felix Falk adds that even Eastern European countries meanwhile support their national acts by paying for the trip. For such acts, German concert organizers mainly have to pay for the fee, often making it less costly for them to book foreign bands than German musicians. Jazz is live music, Falk explains, and thus dependent on a lively club scene. German jazz fans, though, are less willing than concert-goers at pop or classical concerts to pay adequate entry fees. Finally, Loch complains that festivals in Germany hardly feature German artists anymore. --- We are not quite sure whether we are completely happy with this essay which is published, after all, in one of Germany's most respected weeklies. Even though some tendencies might be described correctly, the author Volker Schmidt seems not to have bothered with too much fact-checking for some of the claims made in his article. Most festivals we are aware of, for instance, and even those he mentions in his text, do indeed feature German acts. (The relationship between the money spent for American stars and for German musicians is another question, but this is not his argument.) There also is support for German artists touring abroad, both through the Goethe-Institut and the Initiative Musik, a funding agency set up by the German federal government. It all may not be enough, but at least things are moving in a right direction. --- The article caused a bit of a stir among the German jazz community with some of the comments on the website applauding the general line of Schmidt's argument and some pointing out mistakes or misrepresentations, leading the editors to correct at least one of the claims made by one of the interviewees.